[Juliette 4/2016] – Klimaschutz global: Emissionshandel

von Felix Schnurr

Der Klimawandel ist ein bestehendes Problem der Gesellschaften, dessen Auswirkungen heute schon zu beobachten sind. Die Pole schmelzen, die Wüsten weiten sich aus, die Wetterextreme nehmen zu und die Länge und Anzahl von Dürren steigt deutlich. Die Folgen sind hauptsächlich auf anderen Kontinenten zu beobachten. Aber auch in Deutschland sind Probleme zu erwarten. Die Temperatur steigt momentan 0,27°C pro Jahrzehnt. Die Niederschlagsmenge steigt deutlich, fällt allerdings unregelmäßiger und heftiger. Der Osten hat heute schon Probleme mit Sommertrockenheit. Daraus lässt sich die Schlussfolgerung ableiten, dass etwas unternommen werden muss, um die Welt in ihrem heutigen Zustand erhalten zu können.
Erst kürzlich haben die USA, China und Europa das Klimaabkommen von Paris ratifiziert, welches zu einem globalen Klimaschutzprogramm führen soll. Die Instrumente zur Reduzierung sehen aber leider überall ähnlich aus: Verbote, Regulierungen und Obergrenzen. Dabei wird an kleinen Stellschrauben angesetzt, während andere Bereiche befreit bleiben. Besonders auffällig ist der Fokus auf den CO2-Ausstoß, während andere Klimagase nicht debattiert werden. Der Höhepunkt wurde in Deutschland durch die E-Auto-Prämie erreicht, die aus ökologischer Sicht nicht besonders sinnvoll ist. Auch in Bezug auf Schadstoffe wie Feinstaub und Stickoxid ist eine Regulierungswut zu beobachten. Was bei PKW sinnvoll ist um die gesundheitlichen Gefährdungen innerhalb der Städte gering zu halten, ist bei Traktoren mit Einsatzgebieten fern ab von Ballungsgebieten unnötig und übertrieben.
Für ein wirkungsvolles Klimaschutzprogramm ist es erforderlich, dass alle Klimagase in die Betrachtung einbezogen werden und die Fokussierung auf CO2 ein Ende findet. Allein Methan und Lachgas haben einen Anteil von 25% an den anthropogenen Treibhausgasemissionen.
Um Erfolge erzielen zu können, ist ein umfassendes marktwirtschaftliches Konzept erforderlich, welches sich nicht auf Grenzwerte und Regelungen beruft, sondern eine flächendeckende Erfassung vorsieht und die Steuerung der Emissionen ermöglicht.
Ein Konzept zur effektiven Steuerung der Emissionen liegt im Emissionshandel. In der EU wird dieser bereits eingesetzt, um den Ausstoß von Industrieanlagen und Kraftwerken zu regulieren. Der Ansatz ist dabei simpel: Für jede Tonne CO2 die ausgestoßen wird, benötigt eine Anlage ein Zertifikat. Bei Einsparungen an einer Anlage können die frei gewordenen Zertifikate am Markt angeboten werden, an dem andere weniger effizient arbeitende Unternehmen notwendige Rechte erwerben können. Um Reduktionsziele umsetzen zu können, wird die Anzahl an Zertifikaten regelmäßig entsprechend der festgelegtem Ziele minimiert. Infolgedessen werden Effizienzmaßnahmen an Stellen durchgeführt, die kostengünstig umsetzbar sind.
Momentan sind allerdings nur circa 40% der CO2-Emissionen innerhalb der teilnehmenden Länder erfasst. Besonders der wachsende Verkehrssektor und die Privathaushalte, aber auch andere Klimagase sind nicht enthalten. Eine umfassende Steuerung der Reduktion ist folglich nicht möglich.
Das bestehende System für die bisherigen Umfänge ist nicht zu modifizieren. Der Vorwurf, dass die Preise zu niedrig sind und entsprechend keine steuernde Wirkung einsetzt, ist falsch. Die kostengünstigen Zertifikate zeigen lediglich, dass die Unternehmen effizienter unterwegs sind als das Reduktionsziel. In den übrigen Bereichen sind allerdings steigende Rohstoffverbräuche zu beobachten, welche aufgrund steigender Emissionen zu Preissteigerungen führen würden. Durch den Nicht-Einbezug in das bestehende System sind jedoch keine Preisveränderung im Zertifikatenhandel zu beobachten.
Deswegen sind die übrigen Emissionsanteile durch einen sogenannten Upstream-Ansatz zu erfassen. Dabei liegen die Zertifikate nicht beim Emittenten, sondern beim Importeur oder Produzenten der Verbrauchsgüter. Die Vielzahl an Kleinverbrauchern ist ohne immensen Verwaltungsaufwand in anderer Form nicht zu verwalten. Der Ansatz sieht dabei vor, dass die Kosten für die Emissionsrechte an den Endverbraucher weitergegeben werden, welcher infolgedessen Effizienzmaßnahmen vornimmt. Ein besonderer Fokus ist dabei auf die Ausweitung auf alle Klimagase, wie beispielsweise Methan und Lachgas, zu legen. Dabei werden die Gase in das bestehende System einbezogen, benötigen allerdings entsprechend dem GWP (Global Warming Potential) eine höhere Anzahl Zertifikate für die gleiche Emissionsmenge.
Durch die komplette Erfassung der vorhandenen Emissionen ist eine umfassende Steuerung möglich. Bei jährlicher Reduzierung der Zertifikate ist ein Effizienzgewinn gewährleistet. Ein entscheidender Vorteil liegt darin, dass die tatsächlichen Emissionen bewertet werden. Diskussionen, die beispielsweise in der Automobilindustrie in Bezug auf den NEFZ-Zyklus geführt werden, sind folglich hinfällig. Dabei ist es für die Funktion des Systems obligatorisch, dass bei fehlenden Rechten die Betriebserlaubnis entzogen wird. Ein System ohne Strafen bei Nichtbeachtung erzeugt keine Wirkung.
Infolgedessen sind übrige Klimaschutzprogramme unnötig und werden nicht benötigt. Verordnungen, welche hauptsächlich für die Gesundheitsförderung vorgesehen sind, bestehen selbstverständlich weiterhin. Die Förderung einzelner Antriebskonzepte im Bereich der Kraftfahrzeuge ist nicht mehr erforderlich, da eine Nachfrage nach umweltfreundlichen Antriebskonzepten entstehen wird, wenn Emissionszertifikate aufgrund mangelnder Verfügbarkeit teurer werden. Der beschriebene Ansatz ermöglicht die effektivste Steuerung der Emissionen und ist nahezu alternativlos bei der Erreichung der Effizienzziele.

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